Brahms Op 100 Sonata poem

Edited: March 1, 2019, 9:46 AM · Some years ago, there was a short discussion about the poem attached to the 2nd Sonata. I pasted in some information that I had found-- a gentleman in Riga just e-mailed me today to inform me that I'd missed a few things, and sent corrections. If anyone knows more, please feel free to sing out! Does anyone think this might be used as part of a performance of the sonata?

Here is one link that can send you in a different direction: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Violinsonate_Nr._2_(Brahms)#Weblinks

And my correspondent from Riga: Matthias Knoll
www.literatur.lv


I don't read enough German (or have enough time right now) to comment, but put it up to re-start more informed discussion.

Anyway, the original thread: violinist.com/discussion/archive/25570/

The new, corrected version of my answer:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Violinsonate_Nr._2_(Brahms)#Weblinks

A German version of the note and text of the poem:
From the book "Johannes Brahms in Erinnerungen" by Swiss writer and poet Joseph Viktor Widmann (1898, see https://archive.org/details/bub_gb_vrhOAAAAMAAJ), p. 55 (note) and 175 (poem).

[Note:]

Die Violin- und Claviersonate Op. 100 regte mich zu einem Gedicht an, das im Anhang dieses Buches mitgetheilt wird. Seine Existenz widerspricht der oben gemachten Bemerkung, mein Verhältniß zu Brahms sei ein »versreines« gewesen, nur scheinbar, da diese Bemerkung bloß sagen will, ich sei Brahms nie mit Compositions-Zumuthungen lästig gefallen. An dem Gedicht: »Die Thunersonate« hatte er so große Freude, daß er mich im Februar 1896 bat, ihm einige Abzüge desselben zu schicken. (Ein Wiener Freund ließ es dann in typographisch prächtiger Ausstattung drucken.) »Wenn mir Niemand sagt, ob und wie ihm meine Musik gefällt, wie soll ich es denn wissen?« äußerte Brahms einmal gegenüber einem Züricher Musikfreunde (A. Steiner-Schweizer), wie dieser im 36. »Neujahrsblatt der allgemeinen Musikgesellschaft in Zürich auf das Jahr 1898« mitgetheilt hat.
Der Verfasser.

Thunersonate von Johannes Brahms.
(Zweite Sonate [A-Dur] für Pianoforte und Violine, op. 100.)
[By Joseph Viktor Widmann]

[Quotes Measures 1-3 of 1st Mvmt.]

Dort, wo die Aare sanft dem See entgleitet
Zur kleinen Stadt hinab, die sie bespült,
Und Schatten mancher gute Baum verbreitet,
Hatt’ ich mich tief ins hohe Gras gewühlt
Und schlief und träumt’ am hellen Sommertag
So köstlich, wie ich kaum es künden mag.

Drei Ritter sprengten an, klein wie nur Elfen,
Auf feinen Zeltern, aber Kön’gen gleich.
Dreistimmig sprachen sie: „Willst du uns helfen
Ein Kleinod suchen, Mann, in diesem Reich?
Auch wir, gleich jenen einst auf Bethlems Flur,
Gehn hier auf eines Himmelskindes Spur.“

„Wer seid ihr selbst?“ fragt’ ich im Traum dagegen.
Sie sprachen: „Ritter aus der goldnen Au,
Die dort am Fuß des Niesen ist gelegen.
Auf unsern Burgen klang manch holder Frau
Einst zarter Gruß von unserm Saitenspiel,
Das ungern starb, als Burg um Burg verfiel.

Nun aber hat sich hier am See erschwungen
Ein Saitenton, wie wir ihn nie gehört.
So hat vielleicht einst Davids Spiel geklungen,
Erquickend Saul, als ihm sein Sinn verstört.
Er zog zu uns, wehmüthig, süß und stark
Und traf mit Sehnsucht uns ins tiefste Mark.

Hilf uns denn suchen, da von diesen Auen,
Von diesem grünen Ufer kam der Klang;
Das neugeborne Wunder laß uns schauen,
Ihm huld’gen nach des Herzens frommem Drang.
Wo birgt sich das melod’sche Himmelskind?
Schläft’s unter Blumen? schwebt’s im Abendwind?“

Da, als sie fragten noch, drang von den Wellen
Des Flusses her ein Spielen wundersam.
Und sieh! — Ein Feennachen, von Libellen
Gezogen, dort stromauf geschwommen kam.
Feingliedrig saß ein blondes Mägdlein drin
Und sang gar wonniglich so für sich hin:

[Quotes Measures 146 into 150 of Mvmt 1]

„Hold ist’s, auf klarer kühler Flut[h] zu fahren,
Da klar auch meines Lebens tiefer Quell,
Hold ist’s, so Leid als Lust zu offenbaren,
Denn beide strömen voll und stark und hell.
Fahr zu, mein Schiff, stroman mit gutem Muth
Auf sanfter Fluth, in der der Himmel ruht.“

So sang das Feenkind und mächtig schwollen
Die Herzen aller, die den Sang erlauscht.
Die Ritter blickten stumm und Thränen quollen
Von einem Weh, das wonnig doch berauscht.
Dann, als das Schifflein ihrem Blick entschwand,
Sprach so der Ältste, winkend mit der Hand:

„Leb’ wohl, du schönes Wunder dort im Nachen,
Du wonnesame, süße Melodei!
Wir, die den Hort des Minnesangs bewachen,
Wir grüßen dich, du edle fremde Fei!
Du hast dies Land, sangfroh in alter Zeit,
Mit deinem Lied zu neuem Ruhm geweiht.

Nun mögen wir uns wieder schlafen legen,
Der Harfe heil’ge Seele schlummert nicht.
Und wie der Sonnenstrahlen Abendsegen
Dort auf den Bergen glüht mit Purpurlicht,
Doch auch die weiten Lande rings erhellt,
So schwingt dies Lied sich um die ganze Welt.

Doch, mag es klingen auch vor tausend Ohren,
Im Fürstensaal, in stolzen Städten viel, –
Es bleibt doch unsres Landes, hier geboren
An dieses klaren Flusses Wellenspiel.“
So rief der Minnesänger, gluthentfacht.
Mein Herz sprach: Ja! – Da war ich aufgewacht.

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